Elektroauto: Ladekarten und Ladesäulen

Wie zuvor bei den Lademöglichkeiten am eigenen Haus, gilt das folgende nur individuell, und mag sich je nach Auto, der Region und den verfügbaren Ladekarten unterscheiden. Trotzdem sollte es einen Anhaltspunkt geben, welche Karten man sich Mitte 2018 zulegen möchte und wann welche einzusetzen ist.

Die Fahrzeuge unterscheiden sich erheblich, teilweise sogar je nach Baujahr oder nach bestellter Sonderaustattung in ihrer Fähigkeit, den Akku zu laden.

Bei meinem e-Golf (2. Generation) gibt es folgende Möglichkeiten:

  • AC: Typ 2, ein- oder zweiphasig mit je 16A, also mit 3,6kW bzw. 7,2kW
  • DC: CCS, bis zu 40kW (ein oder zwei Mal am Stück, dann wird die Batterie zu warm und lädt nur noch mit einem Bruchteil der Geschwindigkeit). Von diesem Problem außerdem betroffen: Der neue Nissan Leaf (“Rapidgate”).

Die Preise in diesem Artikel sind Bruttopreise.

Welche Karte funktioniert an welcher Säule?

Reiner Zufall, eine erste Näherung steht z.B. für Deutschland in der GoingElectric-Datenbank. Dort sind aber auch nicht alle Angaben richtig bzw. haben einen Bezug zur Realität. Unter iOS lässt sich die Datenbank okay-ish via ChargEV nutzen. Einen weiteren Anhaltspunkt geben die jeweiligen Apps der Anbieter.

Das Protokoll hinter dieser Abrechnung wurde nachweislich von betrunkenen Kobolden entwickelt, und somit sind frisch bestellte Karten unter Umständen auch erst nach Wochen bei allen Vertragspartnern nutzbar, wenn der Schorsch den USB-Stick mit den neuen Kartennummern durch das Fax geschoben hat.

Ebenso dauert die Abrechnung teilweise viele, viele Monate. Oder bleibt im besten Fall ganz aus.

RFID oder App

Die meisten der Anbieter bieten eine RFID-Karte und/oder eine App an, um die Säule freizuschalten. Die Sicherheit bei den RFID-Karten ist selbstverständlich katastrophal, aber die Zuverlässigkeit ist in der Regel größer als bei den Apps.

Protipp: Wird die Karte nicht auf den ersten Versuch akzeptiert, einfach noch ein paar Mal versuchen. Die Säule braucht vielleicht einen Moment, um aufzuwachen. Die Stadtwerke München sind da besonders anfällig für einen Fehler nach Timeout. Der nächste Versuch gelingt dann meist. Weiterer Tipp: Die Säule mit ungültigem RFID-Token aufwecken, damit sie sich einwählt, dann mit einer App ansprechen.

In den Apps herrscht ohnehin Anarchie. Wer es bis zur richtigen Säule schafft, oder NFC-Tags und QR-Codes abscannt, kann auch nicht davon ausgehen, dass der Befehl zur Freischaltung auch wirklich bei der richtigen Säule ankommt. Insbesondere die SLAM-Säulen an den Autobahnen (siehe auch: Ladesäule des Todes) sind wie Lotto.

VW Charge & Fuel

Zur Auslieferung eines neuen VW kann man eine Karte bekommen, die für drei Monate gratis genutzt werden kann. Ich habe in den ersten drei Monaten damit etwa 70 Euro Strom getankt, ohne weiter auf Standzeiten oder ähnliches zu achten.

Die Karte, die im Anschluss genutzt werden kann, wird abgerechnet mit

  • AC: 0,95 Euro/h
  • DC: 11,95 Euro/h

Insbesondere an den Säulen der Stadtwerke München in der Innenstadt ist dieser Tarif sehr attraktiv, da er einen kostenlosen Parkplatz in teilweise sehr guter Lage mitbringt. Auch Standzeit, ohne zu laden, wird voll berechnet.

Die Karte gibt es nur für VW-Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge von der Volkswagen Leasing. Die Abrechnung ist langsam, verschickt viele Briefe und ist bisher recht lückenhaft.

Maingau

  • Relativ kleine Auswahl von Säulen, darunter aber einige sehr nützliche Autobahnstrecken

  • AC und DC: 0,05 Euro/Minute, 0,02 Euro/Minute für Maingau-Kunden

Die Landkarte in der App ist leider sehr widerspenstig. Vorsicht: sie verzeichnet auch Säulen mit orangener Markierung: Die sind zur Zeit nicht aktivierbar, darunter sind auch sehr gute Locations in Österreich.

Vattenfall / inCharge

Die Karte war eine Weile ausverkauft, so beliebt hat sie sich gemacht mit

  • AC: 0,30 Euro/kWh
  • DC: 0,20 Euro/Minute

Insbesondere für Autos mit langsamem Ladegerät kann sich die Abrechnung nach Energie lohnen, und sie liegt mit dem DC-Preis oft erheblich unter Plugsurfing und New Motion. Die Auswahl an Säulen ist aber relativ dünn.

Swisscharge

Wer hat’s erfunden?

  • Preis: ¯\(ツ)/¯

Deutsche Ladesäulen dürfen Gleichstrom nicht nach kWh abrechnen und manche melden folgerichtig immer 0kWh. Swisscharge macht es trotzdem.

Zum Beispiel: Du lädst 30kWh, die Säule meldet also 0kWh. Kostet dann: 0kWh × irgendein Preis = 0 CHF.

Die Karte muss initial mit 30 CHF, also rund 26 Euro aufgeladen werden.

In der Android-App kann man mitunter die gewünschte Säule nicht auswählen, weil die Liste über den Bildschirm reicht und nicht gescrollt werden kann.

Wer es aufregend mag, kann das riskieren, manche kostenpflichtigen Säulen sind ohnehin als gratis markiert. Es ist wie im wilden Westen.

Plugsurfing

  • Preise variieren wild, einige der verzeichneten Säulen sind aber auch sehr günstig oder gratis, letztere manchmal auch ohne die Karte nutzbar
  • Letzte Alternative, wenn sonst nichts funktioniert

New Motion

  • Hochpreisig, dafür aber mit vielen Anbietern vernetzt
  • Letzte Alternative, wenn sonst nichts funktioniert

Große regionale Anbieter, z.B. EnBW

Manche der Ladesäulen-Betreiber haben eigene Apps, mit denen nach einer Anmeldung zu einem vorteilhafteren Tarif geladen werden kann als ein Kunde mit Kreditkarte. Gutes Backup.

Herstellerkarten: BMW, Hyundai etc.

Habe ich mir nicht angesehen, da in der Regel nur mit Nachweis via Fahrgestellnummer oder Schein bestellbar. Könnte aber individuell auch lohnen.

Lokale Stadtwerke

Je nach Region kann es sehr attraktive Angebote geben. Ich weiß beispielsweise von den Lechwerken im Raum Augsburg von der Ladesäulen-Flatrate, die dort für rund 200 Euro im Jahr die Nutzung der lokalen Säulen komplett abdeckt, was relativ unschlagbar sein dürfte. Teilweise gibt es bei solchen Anbietern auch Angebote, die eine Wallbox und den passenden Tarif für das eigene Haus enthalten. Aber hier muss jeder selbst suchen.

Die Stadtwerke München, die von mir wegen ihrer M-net Breitbandpolitik (“Business-Glas”) keinen Cent mehr sehen werden, haben ein für mich sehr unattraktives Angebot mit 10 Euro monatlichem Grundpreis und hohem nutzungsabhängigem Entgelt von 1,80 Euro pro Stunde.

Pay As You Go

Manche neuere Säulen müssen gemäß der Ladesäulenverordnung mittlerweile eine Nutzung ohne RFID-Karte erlauben, und bieten eine Bezahlung teilweise über Kreditkarte/Girocard oder via Paypal an. Oft muss dafür eine App oder eine mobile Website genutzt werden. Hoffentlich ist der Mobilfunkvertrag noch nicht für den restlichen Monat gedrosselt.

Zur Einführung gibt es hier und da attraktive Pauschalpreise, z.B. 5 Euro pro Ladung. Das mag sich individuell unterscheiden. Manche Säule sagt auch gar nicht vorher an, wie viel sie berechnen wird.

Wer hat sich schon einmal getraut, eine Mehrwert-SMS zu schicken, um eine Säule zu aktivieren?

Supercharger

Die Säule erkennt das Auto nach dem Einstecken und los geht es. Keine Karte, kein Unfug. 10.000 Stück stehen davon herum. Das Navi hat eine aktuelle Liste samt Auslastung. Nur Spaß, denn ausschließlich für Teslas.

  • Preis: Gratis

Nur was für Cheater.

Ausland

Wer ein Teufelskerl ist und den Urlaub elektrisch antritt, will sich möglicherweise mit den lokalen Anbietern auseinandersetzen.

Beispielsweise kommt man wohl mit sämtlichen Roaming-Anbietern in Italien nicht besonders weit. Eine Anmeldung aus Deutschland bei Enel ist allerdings durchaus möglich, nur die RFID-Karte kann nur innerhalb von Italien verschickt werden.

Kosten

Wenn ich es also geschickt anstelle, kostet mich eine bezahlte Ladung außer Haus grob zwischen 2 und 10 Euro mit einem der oben genannten Angebote. Mit Plugsurfing und New Motion könnten das auch über 20 Euro werden. Zum Vergleich: 250km mit meinem alten Diesel lägen bei 25 Euro.

Wenn alle Stricke reißen

Manchmal geht auch einfach nichts, keine RFID-Karte, keine App, keine Kreditkarte.

Die Hotline kann manchmal die Säule zumindest zurücksetzen, oder im besten Fall gratis schalten (“Messemodus”).

Die Angaben darüber, was nach einem Druck auf die Not-Aus-Taste passiert, unterscheiden sich. Manche sagen, die Säule bräuchte dann einen Besuch vom Service-Techniker, ich habe aber auch schon eine Säule gesehen, die daraufhin einen sauberen Neustart hingelegt hat… und dann genauso kaputt war wie zuvor.

Oder die Säule ist einfach nur von einem Verbrenner zugeparkt.

Wer flexibel plant, kommt hoffentlich nicht in die Situation und schafft vielleicht auch noch die nächste Säule. Ansonsten hilft auch ein langes Kabel, um die letzten fehlenden Kilometer vielleicht beim nächsten Bauernhof oder der Rückseite vom Rasthof zu schnorren. In Urlaubsgebieten kann sich auch ein Abstecher zu Campingplätzen lohnen. Gerade in Italien habe ich Unmengen von Campingdosen an den unmöglichsten Orten gesehen.

Und ja, dieser Zustand ist nicht besonders schön, aber es geht schon, und ja, es muss besser werden. Und das wird es auch, sobald die Dieselfreunde mal ihre Stecker in die Hand nehmen. Bis dahin heißt es: Karten regelmäßig neu mischen.