e-Golf: Ladeziegel, Wallbox und Stromtarif

Wer beim Autohändler oder beim Elektriker nach der Installation einer Lademöglichkeit fragt, bekommt unter Umständen ein sehr teures Angebot unterbreitet, das vielleicht abschreckt. Ich will hier die preisgünstige Installation beschreiben, für die ich mich entschieden habe, die auch den Gegebenheiten hier am Haus berücksichtigt. Your mileage may vary, im Zweifel mag folgendes für euer Haus oder euer Auto so nicht passen. Insbesondere sind wohl Renault Zoes etwas wählerischer.

Alle Preise in diesem Artikel sind Nettopreise. Verbraucher in Deutschland können noch 19% MwSt. draufrechnen.

Geladen werden soll ein e-Golf 2. Generation, der mit Wechselstrom ein- oder zweiphasig mit 16A geladen werden kann, also mit 3,6kW bzw. 7,2kW. Bei einer nutzbaren Akkukapazität von 31,5kWh dauert die Ladung also grob 9 bzw. 5 Stunden.

Elektroinstallation

Der öffentlich zugängliche Stellplatz am gemieteten Haus ist in der Nähe des Kellerabteils, wo eine Phase für Licht und eine Schukodose ankommt, die an meinem Zähler angeschlossen ist. Der Hausanschluss ist unterdimensioniert, und nachdem ein Ausbau oder selbst ein mehrphasiger Anschluss hier keinen Sinn macht, muss ich mit der einen Phase aus dem Keller arbeiten.

Vor dieser Dose hat der Elektriker hier einmal abgezweigt und diese schaltbare, verriegelbare CEE-Dose außen am Haus installiert. Das hat ungefähr 90 Minuten gedauert und hat 122 Euro gekostet die Rechnung dafür steht noch aus. Mit einem Vorhängeschloss kann man zumindest faule Stromdiebe für einen Moment aufhalten. Die Dose von Mennekes bekommt man mitunter für 100 Euro, trotz ihres erheblich höheren Listenpreises. Eine deutlich günstigeres Modell gibt es vom italienischen Hersteller Gewiss.

Mennekes-Dose mit seewassersicherem Vorhängeschloss

Ein Schalter im Kellerabteil wäre die Alternative dazu gewesen – allerdings wären da bei jedem Schaltvorgang drei Türen mit zwei bis drei Schlössern im Weg.

Ladeziegel

Als Volvo-Ersatzteil 32208594 (“Kabelbaum”) gibt es einen 16A-Mennekes-Ladeziegel (ICCB) mit blauem CEE-Stecker und 7,5m Kabel für rund 300–400 Euro. Etwas günstiger gäbe es noch 12A oder 13A Schuko-Ziegel von BMW oder Mercedes. Nachdem aber die Schukodose schon bei 10A mehr als handwarm wird, wollte ich zumindest eine CEE-Dose, die für 16A Dauerstrom ausgelegt ist. Der Ziegel passt zusammen mit den anderen Ladekabeln im Golf unter den doppelten Boden im Kofferraum, wenn man das Soundpaket nicht bestellt hat.

Photoshop-Unfall: Mennekes, Symbolbild, außerdem das alte Schuko-Modell

Zum Vergleich: ähnliche, auch mobil einsetzbare Lademöglichkeiten wie der go-e Charger (~600 Euro) oder NRGKick (~800 Euro) sind zwar noch etwas vielseitiger, und an anderen Anschlüssen auch leistungsfähiger, aber auch um ein vielfaches teurer. Der Wettbewerb ist zur Zeit noch relativ übersichtlich, das sollte aber mit der Zeit etwas besser werden. Beispielsweise hat Webasto eine kleine mobile Lösung für nächstes Jahr angekündigt.

Mehr technische Details zu dem Thema gibt es in der Bits und so #571 zu hören. Nachdem Typ 2 nur einer glorifizierten Drehstromdose mit etwas Absicherung und Regelung entspricht, finde ich die Preise für die preisintensiveren Geräte nicht gerechtfertigt. Und diese Sendung hat mir auch die eBay-Bastelkisten etwas ausgeredet, insbesondere nachdem wir hier komplett im Freien spielen.

Keine Wallbox

Eine feste Wallbox, die ich dann an die Außensteckdose anschließe, wäre zwar auch möglich gewesen, wäre auch nicht wesentlich praktischer gewesen, hätte auch nicht schneller geladen, hätte noch einmal zusätzlich 400–500 Euro gekostet, und ich hätte immer noch keine 16A-Lösung für unterwegs gehabt. Insbesondere treibt die Möglichkeit, die Wallbox zu verriegeln, per Schlüssel oder per Chip, den Preis oft schnell in die Höhe.

Abgesehen davon wäre hier wohl die Wahl auf den Tesla Wall-Connector oder die stationäre Webasto gefallen. Besonders bei Tesla ist übrigens das simple integrierte Lastmanagement interessant, wenn man schon den zweiten Ladepunkt mitplant. Falls Tesla die Wallbox für ein Fremdfabrikat nicht verkaufen möchte, muss man einen Tesla-Besitzer in den Shop schicken. Protipp für e-Golf-Fahrer an der Tesla-Wallbox: Falls die Ladung nicht startet, den kleinen seitlichen Reset-Knopf betätigen.

Diese Lösung mit dem Ziegel sollte für viele Jahre, auch nach dem Golf, ausreichen, und lässt sich auch flexibel unterwegs einsetzen. Falls ich umziehen sollte, kann ich die Dose wieder abbauen und verliere nur die Kosten für den Elektriker. Ab und an kann ich mit dem Ziegel bei Verwandten an der Drehstromdose laden, mittels eines Adapters von CEE rot 16A auf blau 16A. Dort war z.B. der 10A-Ziegel ein Hindernis, weil die Kellertür dort über Nacht bei der längeren Ladedauer nicht verriegelt werden konnte.

Stromtarif

Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, hauptsächlich öffentlich zu laden, was jetzt seit fünf Monaten trotz aller Kinderkrankheiten auch am Ende des Tages immer irgendwie funktioniert hat. Ich habe nur etwa 3x in dieser Zeit am Haus geladen. Mit der VW Charge&Fuel-Karte kostet eine Ladung inkl. Parkplatz in der City rund 4 Euro, mit dem üblichen Stromtarif am Haus eher 8 Euro. Kostenlose Schnelllader gibt es auch noch zuhauf in München, bei VW, BMW, Aldi, Ikea und bei der Telekom.

Für den Golf rechne ich mit einem Jahresverbrauch von etwa 2.000kWh für rund 12.500km. Wenn ich doch die Hälfte des Verbrauchs am Haus lade, bietet sich hier auch noch Sparpotential.

Bei Maingau Energie gibt es zur Zeit ein recht gutes Angebot mit rund 400 Euro Neukundenprämie bei einem Jahresverbrauch von etwa 4.400-5.500kWh (und etwas weniger bei einem niedriegeren Verbrauch), was bei nach einem Jahr den effektiven Strompreis um rund 35% drückt und die Ladung am Haus so auf rund 5 Euro bringt, das sind dann etwa 16-18 Cent/kWh. Ohne den höheren Verbrauch gäbe es auch nicht diesen hohen Rabatt, also bekomme ich den Autostrom unterm Strich praktisch gratis. Außerdem drückt der Vertrag den Preis für die Maingau Ladekarte von 4 Cent auf 1,7 Cent pro Minute für Schnelllader an manchen Autobahnen.

Wer sich für diesen Tarif interessiert und meine Kundennummer 425377707 bei einer Bestellung im PDF-Formular angibt, beschert mir eine kleine Prämie.