Audi e-tron Probefahrt: Durstig

Am Flughafen München ist zur Zeit und noch rund einen Monat lang der Audi Meteorite gelandet. Eine kleine Offroad-Strecke, die einige Funktionen des Audi e-tron demonstrieren soll. Nach kurzer Wartezeit und ohne Termin wird man von einem Mitarbeiter über die Rampe gefahren, dabei demonstriert er die sehr beeindruckenden virtuellen Kameraansichten um das Auto, den Offroad-Modus und ramponiert den Bodenbelag mit einer kurzen Beschleunigung. Der Boden ist schon sehr ramponiert. Dieser Wagen hat die elektronischen Außenspiegel, die dauerhaft Außenkameras auf OLED-Displays in den Türen anzeigen.

Das ist recht drollig, allerdings fern von der normalen Nutzung eines solchen SUVs, irgendjemand muss ja die Kinder in die Schule fahren. Man kann deswegen auch eine Probefahrt auf der Straße online buchen, oder einfach an einem Montag ohne Termin anfragen. Es war gerade wenig los, und ich durfte mich die 50km selbst nach Pasing nach Hause fahren, der Mitarbeiter hat den Wagen dann zurückgebracht.

Meine Eindrücke, ohne besondere Gewichtung:

  • HUD sehr praktisch, aufgeräumt, allerdings unschön verzerrt (falsch eingestellt oder wirklich schief?)
  • Gangwahlhebel unnötig hipster, verleitet anfangs dazu, in die falsche Richtung zu schalten. Vorwärts drücken = Rückwärtsgang. Bei einem normalen Hebel ist das immer so, hier wirkt es falsch herum.
  • Tempomat auf eigenem Lenkstockschalter, nicht wie bei VW auf dem Lenkrad
  • Normale Spiegel an dem Probewagen: Sehr helle und große Tote-Winkel-Warnung, fast schon zu auffällig.
  • Digitales Instrument groß und gut ablesbar, aber dank HUD wenig genutzt.
  • Navi: “Haptischer” Touch: leichte Berührung löst Animation von Button-Highlights aus, aber keinen Klick. Erst ein festerer Druck löst die Funktion und eine Vibration aus. Erst ungewohnt, aber bei wackeliger Fahrt, wenn es schon ein Touchscreen sein muss, nicht so blöd.
  • Großer Touchscreen für A/C: Würde Plastikrädchen bevorzugen, aber wenigstens nicht so fummelig winzig wie in manchem BMW
  • Laut Aussage des Mitarbeiters: Charakteristik des Antriebs per Software gebändigt, damit sich der durchschnittliche Audi-Käufer nicht vor dem Elektromotor erschreckt. Während ein Ludicrous Tesla dem Fahrer das Genick bricht, massiert der Audi nur sanft. Meh.

Alles fein, aber der große Haken ist der Verbrauch:

Auf der 50km-Strecke im starken Berufsverkehr auf dem Autobahnring bei leichten Plusgraden hat der e-tron rund 32kWh/100km verbraucht. Zum Vergleich: Mein e-Golf läge bei der Fahrt wohl bei 16-18kWh/100km, das ist etwa die Hälfte. Durchschnittsgeschwindigkeit bei der Fahrt waren 80km/h. Ein kurzer Ausflug auf Tempo 150 hat weit über 40kWh/100km verbraucht. Auch ein Model X genehmigt sich bei höheren Geschwindigkeiten unvernünftig viel Strom, aber nicht ganz so viel, und es gibt heute schon die Supercharger.

Mit Tempo 160 auf der Autobahn dürfte die Reichweite im Audi also bei weit unter 200km liegen, nicht bei den versprochenen 400km. WLTP misst eben nur bis Tempo 120, und das immer noch zu optimistisch.

Damit ist der e-tron das wahrscheinlich durstigste Auto seiner Klasse und das kostet bei der täglichen Kurzstrecke damit dann an der Steckdose fast den gleichen Preis wie ein vergleichbarer Diesel, und führt auf Langstrecken dazu, dass man doppelt so lange an der 50kW-Ladesäule steht wie ein e-Golf, nämlich gute zwei Stunden.

Denn noch sind die HPCs Mangelware, auch wenn das Netz stetig ausgebaut wird. Die Werbeaussage “Auf 80% in 30 Minuten” gibt es derzeit an bestenfalls 15 Standorten von Ionity in Deutschland. Und über die Preise dafür wurde auch schon herzhaft gelacht. Auf Nachfrage meinte der Audi-Mitarbeiter, dass in zwei Jahren 5000 HPCs in Deutschland stehen würden. Die Zahl stammte leider aus dem Reich der Märchen.

Im großen und ganzen, abgesehen vom Verbrauch sehr angenehm, aber kein Vergleich zur rohen Kraft eines Model S oder X. Wenn ich diesen Betrag für ein Auto zahlen würde, dann würde die Wahl klar auf einen Tesla fallen, wegen der überlegenen Software, dem ehrlichen Gaspedal, der Effizienz und den Superchargern. Selbst für den halben Preis gibt es demnächst das Model 3, das viel sparsamer ist und überall schnell laden kann. Das Ladenetzwerk der deutschen Hersteller ist einfach viele Jahre hinter Tesla zurück. Und das rächt sich jetzt, und bei einem so durstigen Auto gleich doppelt.