IT für bewegte Bilder

Wir haben in der Sondersendung Bits und so #503 (A Tape a Day) ausführlich über digitales Video gesprochen. Die Sendung gibt in rund drei Stunden einen Überblick über Soft- und Hardware für digitale Videoproduktion und spricht einige der Schwierigkeiten und Lösungsansätze und Workflows an.

Ich möchte hier nochmal einen Teilaspekt ansprechen, der auch in der Sendung kurz genannt wird, aber vielleicht zu kurz gekommen ist:

Ich glaube, an der Schnittstelle zwischen der Videoproduktion und der IT existiert eine interessante Unterversorgung. Die Systeme sind nicht mehr schwarze, unveränderbare Kisten von Sony, sondern lassen sich in größere IT-Umgebungen einbinden.

Es gibt viele Beispiele von erfolgreichen Firmen, die die Reibung an diesen Grenzen reduziert haben. Im Consumerbereich offensichtlich YouTube, Periscope oder Snapchat, die den Zugang zur Videodistribution erheblich vereinfacht haben und damit einer breiten Masse zugänglich gemacht haben.

Im B2B-Umfeld gibt es eine Anzahl von Firmen, die mit mehr oder weniger simplen Anwendungen erfolgreich sind. Einige nicht zwangsläufig repräsentative Beispiele:

  • SnappyTV ermöglicht das einfache Teilen von Ausschnitten von eigenem Bewegtbild auf sozialen Medien. Knapp $3M Finanzierung, von Twitter aufgekauft.
  • Bitmovin ist ein Wolkenservice, der Video in streambare Formate reenkodiert. Praktisch unabhängig von der Menge und Länge ist das Video in 10 Minuten verarbeitet. $10M Finanzierung.
  • Kasper Skaarhoj baut Control Surface Hardware für die Videoproduktion.
  • LiveU scheint Videozuspielung, traditionell über Satellit, erfolgreich auf (drahtlose) IP-Netze umgebogen zu haben.

Fast alle großen Cloud-Anbieter (AWS, Google, Azure etc.) haben eigene Videoangebote von der Stange, die mit etwas mehr Verpackung für Endanwender großen Mehrwert leisten können. Und natürlich die skalierbaren Kapazitäten, die man selbst wie gewünscht programmieren kann.

Das geht bis zu für ITler trivialen Kleinigkeiten: Nils hat in der Sendung ein kleines Tool angesprochen, das “nur” die Einstellungsdateien der Videoschnittsoftware umsortiert. Das ihm unendlich viele Kopfschmerzen und Zeit einspart und damit auch Geld wert wäre.

Ich kenne ein Einmann-Projekt für professionelle Weiterbildung per Videostream in einem winzigen vertikalen Markt.

Weitere Ideen:

  • Gyroskopie für nachträgliche Bildstabilisierung, wie bei Hyperlapse
  • AI-unterstützte Untertitel und Timing von Transkripten, wie bei YouTube
  • Datenbank-gestützte, kollaborative Verwaltung von Einblendungen
  • Automatisierte Aufzeichnung und Verteilung von Konferenzen/Meetings, wie bei Apples eingestelltem Podcast Producer
  • Irgendwas mit VR™
  • Asset Management, Anbindung an die XML-Formate der NLEs
  • Versionierung von Projektdaten
  • Skype TX ohne Skype, Videokonferenz, WebRTC zu SDI und umgekehrt

Oder etwas allgemeiner formuliert: Videoproduzenten und -verarbeiter brauchen einen Nerd im Schrank. Nicht, dass dort nichts passieren würde, aber ich glaube, es gibt Luft nach oben. Sobald die Anforderungen der Videoproduktion an Grenzen stoßen, lässt sich sehr wahrscheinlich eine Lösung in Software dafür finden.

Ich habe in den letzten Jahren rund 800 Stunden Live-on-Tape Video produziert. Das wäre ohne die entsprechende selbst entwickelte Software zur Automatisierung so nicht möglich gewesen.

Wer als Informatiker seine nächste Aufgabe sucht, oder als Videomensch seine tagtäglichen Probleme gelöst sehen möchte, sollte möglicherweise mal miteinander sprechen.

Wer interessante Projekte in diesem Umfeld für mich hat, darf sich auch gerne bei mir melden.