Breitband in London

Ich war die letzten Tage in London, um meinen Kickstarter-Reward von Zach Braffs “Wish I Was Here” einzulösen. Der Film ist gut geworden, und ich kann mir “Filmproduzent” auf die Visitenkarte schreiben. Gut gemacht, Herr Braff.

Dort sind mir auch einige Breitband-Internet-Angebote aufgefallen, die ich beachtenswert fand. Das erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und mit den Angeboten selbst habe ich außer mit Three keine eigene Erfahrung. Aber ich finde es als Vergleich zu den deutschen Gegebenheiten erwähnenswert. Wer es genauer weiß, darf sich gerne auf Twitter melden.

Schmalspur-ADSL-Angebote

Zum Beispiel von TalkTalk: Der Preis ist auch in der Werbung gesplittet in 16 GBP Leitungsmiete an den Besitzer des Kupfers, vermutlich British Telecom (?), und den Preis für den ISP-Service, hier gerade 1,75 GBP mit Rabatt, 3,50 GBP regulär. Dieser Split existiert in Deutschland ja auch in ähnlicher Art und Weise, wenn z.B. Alice/O2 die letzte Meile von der Telekom mietet. Die Angabe des Splits im Werbematerial macht aber auch deutlich, dass der ISP selbst nicht viel von dem Umsatz behalten kann, ebenso wie in Deutschland.

Glasfaser

Ich weiß nicht, wie weit der Ausbau fortgeschritten ist, aber er dürfte über den in Deutschland üblichen 0% liegen. Ich habe eine Postleitzahl geraten und Virgin würde beispielsweise eine Leitung mit 12 Monaten Laufzeit für 40 GBP vermieten, mit relativ lächerlichen 150/12Mbit. Aber das Glas liegt, und es dürfte auch Anbieter geben, die die Leitung symmetrisch bespielen, dann aber mit dreistelligen Preisen pro Monat.

Mobilfunk: Three

Die SIM von Three UK gibt es für ein Pfund zu kaufen, der Service mit unbegrenztem Datenvolumen, 4G (im Freien echte 16/16Mbit) und etwas Sprach und SMS-Firlefanz kostet 15 GBP im Monat, jederzeit kündbar. Der Kauf läuft anonym im Shop in 5 Minuten ab, und die Verkäuferin hat mir den Dienst über das Sprachmenü aktiviert. Tethering ist wohl in den AGBs ausgeschlossen, funktioniert aber trotzdem.

Basti Wölfle hatte mit Three UK schlechte Erfahrungen, das Netz war wohl recht lahm. Einige Hörer haben geschrieben, dass Drei.at stärker angefangen und dann wieder nachgelassen hat. Tre.it hat auch mehr üblichen Mobilfunk-Quark wie ein Captive Portal, das einen einmal am Tag belästigt. Allerdings kann man wohl mit der UK-Karte die anderen Three/Drei/Tre-Netze gratis nutzen. Andersherum mit der AT-Karte wohl nicht mehr.

Vielleicht wird das auch in Deutschland noch etwas, aber Wunder würde ich mir auch nicht erwarten, wenn sie sich zu sehr an den deutschen Markt anpassen oder von den bestehenden Mobilfunkanbietern nicht reingelassen werden.

Mobilfunk stationär

Es gibt einen lokalen Anbieter, der ein 4G-Netz mehr oder weniger im U-Bahn-Bereich von London betreibt: Relish.net. Für Privatkunden gibt es für 20 GBP unbegrenztes Volumen in einem 4G/Wifirouter (einmalig 50 GBP), für Geschäftskunden wollen sie 25 GBP. Monatlich kündbar, zwei Wochen zum Testen, Hardware-Lieferung am nächsten Werktag.

Im Marketing-Text schreibt Relish:

86 new businesses are born in London every hour. … You don’t want to sit around for an installation guy. Worse, wait six weeks to have a dedicated line installed. Or have a meeting in that café, simply for their free WiFi.

Und das trifft das deutsche Problem wieder einmal sehr genau. Mir haben Hörer aus Gewerbegebieten in Ostdeutschland geschrieben, aus dem Zentrum von Berlin, ich kenne das Spielchen hier in München, und vom Schreiner aus der Tagesschau haben wir es auch gehört: Man kann in Deutschland nicht einfach eine Firma gründen und ein Büro mieten, ohne zuerst die Versorgungskarte von 1950er Kupferkabeln zu checken.

Und wenn man es wagt, kommt vielleicht ein halbes Jahr kein Techniker, um das Kabel einzustecken, so passiert bei der GEMA-Alternative C3S.

In London entstehen dagegen Firmen im Sekundentakt, und das Internet bringt der UPS-Mann am nächsten Tag. Vielleicht sogar Samstags.