Corporate MasterCard der Fidor Bank

Mit der Gründung einer GmbH kommt dem unbedarften Firmengründer in Deutschland eine Papierflut entgegen, die sich gewaschen hat. Neben der Strafgebühr des Notars zwingt die Bilanzierungspflicht den aufstrebenden Unternehmer in die Fänge von mehr oder weniger inkompetenten Steuerberatern, die CSV-Dateien nicht von Lochkarten unterscheiden können. Das allerletzte, was man da noch gebrauchen kann, ist die Hausbank, die sich maximal querstellt, wenn man ein Firmenkonto eröffnen möchte.

In meinem Fall war das 2008/2009 die HypoVereinsbank, bei der ich seit den frühen 1980ern Kunde war. Ich war dort so lange Kunde, dass die Bank damals noch Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank hieß. Mit hochgezogenen Augenbrauen bekam von meinem Berater zu hören, dass das nicht so einfach sei mit einem Geschäftskonto, gerade bei einer GmbH, bei der es im Zweifelsfall ja nichts zu holen gäbe. Und das mit der Kreditkarte wäre ja praktisch unmöglich. Ich schlug vor, die Kreditkarte als Debitkarte einzurichten, damit ich meine Rechnungen bei Amazon S3 bezahlen kann. Das war nicht möglich. Die einzige Möglichkeit, die nach Rücksprache mit dem Chef gefunden werden konnte, war, ein Festgeldkonto als Absicherung einzurichten. Und damit das Risiko für die Bank nicht zu hoch wird, wurde das Limit auf 500 Euro festgesetzt. Das reicht für übersichtliche AWS-Rechnungen, aber z.B. nie für Hardware-Käufe bei Apple. Auf meine Beschwerde gab es von der “Kundendialog”-Abteilung eine Tafel Milka und natürlich keine Änderung an dieser peinlichen Regelung.

Vor einiger Zeit bin ich auf die Fidor-Bank gestoßen, deren Social-Ambitionen ich nicht recht verstehen kann. Aber: Das Geschäftskonto für digitale Firmen deckt einen Großteil der Bedürfnisse ab. Und, was neu ist, jetzt auch mit einer Kreditkarte, die ungefähr alles richtig macht, was alle anderen Banken seit 20 Jahren verschlafen haben.

Die Aktivierung: Online, zweistufig via CVC2 und mTAN.

Die PIN: wird nicht in einem separaten Brief verschickt, sondern kann immer wieder (!) online angefordert werden, ebenfalls mit einer mTAN. Das mTAN-System ist wohl insbesondere auf Android-Telefonen anfällig für Schadsoftware, aber für diesen Anwendungsfall hinreichend geeignet, um Papier zu vermeiden.

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Der entscheidende Punkt ist allerdings, dass die Fidor-Bank die Daten, die bei anderen Banken oft nur über die Hotline zu erfahren sind oder sich nur nach großem Gebettel modifizieren lassen, selbst online editieren lässt:

  • Die reservierten Transaktionen werden angezeigt und per Email benachrichtigt!
  • Die Karte läuft gegen das Guthaben des eigenen Kontos, und die Limits sind jederzeit online editierbar.

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Das Motiv der Karte finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber wie ich vom Twitter (!)-Account der Bank an einem Sonntag (!) erfahren habe, sind keine weiteren Motive für die Karte geplant. Die Karte selbst ist untypisch für Kreditkarten nicht geprägt, sondern aus einem mehrschichtigen Kunststoff gefräst, wie ein Klingelschild. Und damit endgültig nicht mehr für den Offline-Einsatz mit Kohlepapier geeignet. Gut so. Die HypoVereinsbank darf gerne ihre Filialen schließen, die Karte und hoffentlich bald auch das Girokonto können weg.