Liebe Telekom, Du bist ein Kabel

Kinder der 80er werden sich erinnern: Der Außerirdische Alf möchte den Kater Lucky fressen und ihm dieses Angebot etwas schmackhafter machen. Er packt ihn also am Kragen und raunzt ihm zu:

Lucky, du bist ein Krapfen.

Dem Kater ist das egal, er kann nur Kater sein und haut ab.

Sagt man jetzt der Telekom, sie sei nur ein Kabel, dann ist ihr das leider auch egal, der Sprecher lügt ein wenig, und ab dem 2. Mai gibt es trotzdem die neuen Verträge.

Die Argumentation ist fadenscheinig. Es geht nicht um den Traffic, es geht darum, den Wettbewerb im Content-Geschäft zu behindern. Es geht darum, dass die Telekom kein Kabel sein will. Sie ist es aber.

Das Problem hat mit Netzneutralität zu tun, mit verzerrtem Wettbewerb, mit irreführender Werbung (“Flat”) und der Zukunft unseres Internets. Schreibt an die RegTP, oder wie auch immer sie diese Woche heißt, euren Bundestags– und Europaparlament-Abgeordneten und erklärt ihnen, dass die Telekom auch nur ein Kabel ist. Und zwar mit 12 Millionen Anschlüssen das dickste in Deutschland, und es benimmt sich gerade schlimmer daneben als sonst.

Tragisch, wie die BWL-Kasper das eigentlich technisch solide Netz in den Boden rammen. Ich will solides Netz. Ich will das beste Netz der Nation. Ich will Glasfaser bis in meine Küche. Ich will kein Wühltisch-Internet, ich will kein Billig-Internet. Ich bin bereit, liebe Telekom, dir eine hohe Summe zu bezahlen, damit du mich nicht wie einen Idioten behandelst und einfach nur meine Bits transportierst. Eine Summe pro Monat, nicht scheibchenweise für alle 200GB.

Lustig in dem Zusammenhang: In den USA ist die Telekom nicht Marktführer, sondern mit T-Mobile USA ein defizitärer Niemand. Dort macht sie sogar Werbung damit, dass sie sich nicht so bescheuert benimmt wie die Marktführer.

Ich glaube, und das ist jetzt auch nichts neues, die Telekom können wir abschreiben.

Wer zur Zeit einen alternativen Anbieter finden kann, sollte umgehend bei der Telekom kündigen. Wer aus Mangel an Alternativen nicht kündigen kann, sollte zumindest diese Tatsache dem Vorstand schildern.

Vielleicht bemerken sie eine in Excel messbare Kündigungswelle doch etwas besser als nur einen zornigen Hashtag. Hier ist der Kündigungs-Assistent. Auch als kleine Warnung an die anderen, damit die nicht auch noch auf solche Ideen kommen. Ich bin sicher, Telefonica und Co. spitzen schon die Ohren. Das kostet euch nur einen Brief und euer Anschluss liegt bei einem anderen Anbieter. Kurz und schmerzlos für euch, aber ein Signal für die Telekom, wenn die nächsten Quartalszahlen um nur 50.000 Anschlüsse einbrechen.

Und wenn sie euch dann zurückrufen und wieder zurückholen wollen, sagt ihnen einen schönen Gruß, die EU wird früher oder später die verlogene “Bandbreitensteuerung” nicht nur im Festnetz, sondern auch im Mobilfunk einkassieren. Dafür müssen wir jetzt handeln.