DHL Paketkasten-Schloss

Ich hebe mir das hier einfach mal auf. Nur für den Fall… ihr wisst schon.

In Wien hat man ein ähnliches System für die Haustüren eingeführt, damit der Postbote und Kaminkehrer in den Hausflur kommen können. Das war auch sicher, bis jemand nachgesehen hat:

dhl-paketkasten

Die Deutsche Datenautobahn

Ich war diese Woche auf die #next14 in Berlin eingeladen, von den freundlichen Damen und Herren des t3n-Magazins.

Ich sagte dort zu unserer Zukunft:

Die digitale Wirtschaft ist erpressbar durch die Netzbetreiber. Und die digitalen Inhalte, die wir verkaufen, werden sowohl auf Server- als auch auf Kundenseite teilweise künstlich, teilweise durch schlechten oder künstlich unterdrückten Ausbau ausgebremst. …

t3n 100: 13 Thesen zur Zukunft der deutschen Digitalwirtschaft [#NEXT14]

Ich will das an meinem konkreten Beispiel ausführen: Meine Bits und so-Server stehen derzeit bei Hetzner in Falkenberg. Die Anbindung an das wichtige Telekom-Kunden-Netz läuft oftmals über Level 3. Die gefühlte Verbindungsqualität (Latenz im ssh-Terminal und bei Voip-Anwendungen) und der Datendurchsatz bei größeren Downloads ist in den letzten Monaten spürbar nach unten gegangen, bis hin zur Unbenutzbarkeit. Das liegt nicht an den Servern, und nicht nur an der Netzwerkkapazität bei Hetzner, sondern augenscheinlich an der fehlenden Leitungskapazität zwischen Level 3 und der Telekom. Ein Traceroute- oder mtr-Log bestätigt das in den Abendstunden eindrucksvoll.

Indirekt bestätigt Level 3 diesen Eindruck mit der Meldung, große, aber nicht näher genannte europäische ISPs würden beim Peering absichtlich die Bandbreite knapp halten. Cogent, ein weiterer großer Datenautobahnmeister, hat schon 2009 die Telekom ausdrücklich als Problembären genannt.

Anekdoten zufolge geht das Spiel bei einem mittleren Anbieter wie Hetzner dann so: Die Telekom bietet den Anschluss an das Netz an, allerdings nicht an einem der günstigen DE-CIX-Knotenpunkte, sondern in einem oder mehreren Telekomknoten mit Premium-Preisen auf der grünen Wiese. Und die Glasfaser dorthin wird exklusiv von T-Systems vermietet.

Hetzner steht also vor der Wahl: Leben wir mit den überlasteten Leitungen oder lassen wir uns erpressen? Oder verlieren wir unsere Kunden? Mein nächster Schritt wird nämlich sein, meinen Traffic über andere Leitungen ins Netz zu schicken, die besser an die Telekom angebunden sind. Die Kunden sitzen nämlich am anderen Ende des güldenen Telekom-Kabels und ich muss sie erreichen können.

Auf der #next14 wurde auch Innenminister Thomas de Maizière dazu gefragt, wie es denn um die deutsche Datenautobahn bestellt sei, und ob wir nicht den Betrieb der großen Datenleitungen zurück in Bundeshand geben müssten, um die Netzneutralität zu sichern. Die sinngemäßen Statements dazu waren (in gebrochenem Englisch): Netzneutralität ist eine feine Sache, findet die Regierung, aber für die deutsche Datenautobahn ist es schon zu spät, nach der Postprivatisierung. Ich reiche hier das Video nach, sobald es erscheint.

Vodafone hat sich gerade bei Kabel Deutschland eingekauft. Damit hat sich jetzt auch hier der Interessenkonflikt verschärft: Möchte mir Vodafone einfach nur ein Kabel mit beliebigen Bits von der Datenautobahn vermieten, oder wäre es nicht doch profitabler, mir ein schickes Abo in der hauseigenen Videothek anzudrehen?

Die Marschrichtung scheint auch unter dem neuen Telekom-Chef Timotheus Höttges unverändert zu bleiben, nur falls sich da jemand nach dem Abgang von Obermann Hoffnungen gemacht hatte. Die Netzneutralitätsdebatte betrifft eben nicht nur YouTube und große VoD-Dienste wie Maxdome, iTunes und Watchever, sondern auch die kleinen Nischenanbieter wie mich.

Und am anderen Ende der Leitung wiederholt sich die Debatte mit leicht veränderten Parametern in Sachen Glasfaser- und DSL-Ausbau, “Flatrates”, gedrosselten Anschlüssen etc.