OUYA – Erste Eindrücke

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Zehn Monate nach der Kickstarter-Kampagne und mit drei Monaten Verspätung landet der/die/das Ouya bei mir. Das Paket kam mit DHL Express in drei Tagen aus Hong Kong. 13 Euro EUSt. sind beim Paketboten fällig. Ouya hat nicht den Zorn von Bundespost und Zoll auf sich gezogen (siehe Pebble).

Aus der Verpackung schlägt einem ein schlimmer chemischer Geruch entgegen, wie bei billigen Plastik-Ethernet-Switches. Habe ich aber schon lange nicht mehr so deutlich abbekommen.

Das Universal-Netzteil kommt mit einer Nase für Euro-Strom, außerdem liegen zwei AA-Batterien für den Controller und ein HDMI-Kabel bei.

Der Controller hat seine beiden Batteriefächer etwas eigenwillig unter den oberen Handgriffabdeckungen. Die Schutzfolien zu entfernen ist nicht unlösbar, aber etwas zu viel Gefummel. Der Controller liegt soweit gut in der Hand, die Triggerbuttons sind aber mit quietschigen Federchen versehen. Auch das D-Pad kommt nicht an die präzisen Wippen von “richtigen” Konsolen ran.

Die Software begrüßt mit einem länglichen Update-Download, der von launigen Statusmeldungen unterlegt wird, und einem Reboot. Die Ouya-eigene UI kommt in einem ungesunden Lachs-Rosa daher und mit etwas verqueren Bezeichnungen. Unter “Discover” steckt der ruckelige App Store.

Das Würfelchen ist ein Tablet-Android-Gerät für ein externes 60″-Display, und man sieht ihm das auch an. Die System-UI ist nur eine Ebene tief, dahinter fällt man auf ein Standard-Android mit Tastatur/Pfeiltastenbedienung, nur eben über den Controller. In den Einstellungen gibt es Dinge wie die Akku-Anzeige und Optionen für den externen Bildschirm neben dem (nicht vorhandenen) Tablet-Display.

Die Ouya-UI reagiert äußerst zäh, selbst die Screenshots und Icons im App Store laden noch langsamer als im verwunschenen iOS 6 App Store. Und das bei praktisch keinen Usern auf dem Server.

Alle Spiele kommen mit einer verpflichtenden Demo und sind also zunächst gratis herunterzuladen. Im Detail-Screen der App klickt man Download und wartet. Danach geht es alle Menüebenen zurück bis zum Hauptmenü, dort in “Play”, und dort wartet dann für jedes Spiel ein zunächst unbeschriftetes “Install” Icon. Das will geklickt werden, dann folgt die Android-Installations-Rechte-Abfrage, dann wird erst installiert. Dann kann das Spiel gestartet werden.

Aktuell sind etwa 130 Titel gelistet, inklusive Emulatoren.

Polarity ist ein von Portal inspirierter Würfel-Puzzler. Bei dem Titel fällt ein enormer Input Lag auf. Die Sticks reagieren mit einer sehr großen Verzögerung. Bei anderen Spielen ist es mir auch aufgefallen, wenn auch weniger deutlich.

Polarity sieht in dem Video eigentlich ganz nett aus, aber der doch sehr karge Look fällt doch etwas negativ ins Auge. Portal selbst war ja schon kein besonders grafiklastiger Titel, aber die Liebe zum Detail fehlt doch etwas, und auf 60″ fällt das auch stärker auf.

Ich glaube, Ouya sollte den geplanten Retail-Start aus dem Sommer in das Weihnachtsgeschäft verlegen. Die Software kann und muss man in diesem Ausbauzustand den Kickstarter-Backern vorsetzen, kein Problem, aber ich glaube, den Retail-Kunden ohne größeres Wohlwollen ist das zu viel Gewurstel.

Andererseits zeigt selbst dieser durchwachsene erste Eindruck, was Apple mit dem Apple TV anstellen könnte.